Zurückgelassen am Wegesrand

Schulschluss und Ferienbeginn. Rein sachlich gesehen derzeit noch eine unkomplizierte Angelegenheit. Der Kronprinz hat das 3te Schuljahr mit lauter Einsern solide hinter sich gebracht, und ich vermute mal es wird eine Zeit geben, in der ich mich nostalgisch an diese ungetrübten Momente erinnere, in denen ein endloser Sommer begann, ohne dass eine dunkle Schulnoten-/Nachprüfungswolke den Familienhimmel trübte. Denn so g‘scheit das Rind ist, es ist auch stur wie ein Ochs und faul wie eine Kuh auf der Sommeralm. Aber wie sagt der Brite so schön: Let’s cross that bridge when we come to it!” Wobei besagte Nation gerade eine Brücke überquert hat von der sie anscheinend weder genau wissen wie sie zu ihr kamen, noch wie die Überquerung überhaupt stattfinden konnte und schon gar nicht was zur Hölle sie jetzt auf der anderen Seite des Flusses tun sollen. Aber das ist ein anderes Thema.

Das Ende eines Schuljahres ist neben dem Geburtstag immer der Zeitpunkt an dem ich hauptberuflich zwei Dinge tue. Erstens darüber lamentieren, wie schnell der Kleine groß wird und mich zweitens alt fühlen. Gut die Sache mit dem alt fühlen passiert mir generell immer häufiger, was eventuell an der Tatsache liegt, dass ich schon länger 27 bin als als ich Finger an beiden Händen habe. Aber nur eventuell…. ‚
Sowieso wichtiger und viel schwieriger ist die Sache mit dem gefühlt in Warp-Geschwindigkeit erwachsen werdenden Sohn und meiner Emotionalität als überfordert zurückgelassene Mutter. „Pipifax!“ werden nun Eltern bereits erwachsener Kinder sagen, wart‘ bis er 15,16 ist, dann wird’s erst wirklich resch. Das mag stimmen, ist aber derzeit ebenso hilfreich wie weiland Großmutters Hinweis, ich möge nicht motschgern, dass das Essen nicht schmeckt, weil anderswo hättens‘ gar nix. Schon damals habe ich mit dem tiefen und aufrichtigen Mitgefühl einer 7-jährigen vorgeschlagen, sofort gemeinsam zur Post zu gehen und den armen Menschen das Beuschel zu schicken, aber selber essen wollte ich es trotzdem nicht. So geht es mir heute auch mit Hinweisen der Güteklasse: Entspann Dich, es wird noch viel schlimmer!

Ich finde es heute schon schlimm genug zuzusehen, wie sich mein Sohn einen Schritt nach dem anderen aus meinem Gluckenkreis entfernt. Versteht mich nicht falsch. Wir haben ihn immer zur Selbstständigkeit erzogen und ich bin definitiv keine Helikopter-Mutter. Aber das Momentum ist ein anders ob du das Kind immer wieder zärtlich in Richtung Eigenständigkeit schubst oder ob es aus eigenem Antrieb dorthin rennt. Richtung und Ziel sind die gleichen. Im ersteren Falle kommt dir als Elternteil eine aktive Rolle zu, in zweiterem bist du nur Beobachter.

Mal ganz abgesehen davon, dass passive Lebensrollen definitiv nicht meinem Naturell entsprechen und mir auch nie Glück gebracht haben, habe ich als reiner Beobachter einfach zu viel Zeit zum Nachdenken: Wie viele Male wird er noch danach verlangen, dass ich ihm am Abend sein Lied vorsinge? War heute vielleicht schon das letzte Mal, dass ich ihn in der Öffentlichkeit umarmen durfte? Wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem ich ihm endgültig nicht mehr auf der Straße die Hand geben darf, und wann der Zeitpunkt an dem wir das alles endgültig zurückgelassen haben und mir ein junger Erwachsener die erste (und zu diesem Zeitpunkt sicherlich einzige und ewige) Liebe seines Lebens vorstellt?
Ja ich weiß, ich übertreibe und nehme zu viele Stufen auf einmal. Und ja, möglicherweise werde ich in einigen Jahren mit mehreren Gläsern Champagner (heimlich, selbstverständlich) und meinem Mann seinen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung und die dadurch neu erlangte Freiheit feiern. Aber bis dahin werde ich Jahr für Jahr auf’s Neue am Sommeranfang das Gefühl haben alleine am Wegesrand zurückgelassen zu werden…

PS: Heute war Abfahrt zum Pfadfinderlager. Dieses Foto war das einzige, dass ich machen konnte und durfte. Und zeigt recht deutlich wieviel Zeit er für eine zärtliche, emotionale und vielleicht sogar tränenreiche Abfahrt hatte. Gar keine nämlich. Jajajaja, ich weiß, besser so als anders. Und trotzdem….Siehe Oma & Beuschel!
Anhang 1

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Es geht loooooos!

Es war ruhig hier. Sehr lange. Gerade lese ich, der letzte Artikel stammt aus dem Jahr 2012. Das Leben war ein paar Monate -sogar Jahre- lang sehr, sehr gut zu mir und hat mir eine Atempause gegönnt. Und hey, die war bitte auch dringendst nötig!

Nun schreiben wir 2016 und das Kind feiert demnächst seinen 9ten Geburtstag. Das klingt ja noch super klein und niedlich, überschaubar, einstellig halt. Welche dunklen Schicksalswolken könnten da schon den Familienhimmel trüben? Ich sag es Euch: die Pubertät!

Nun, derzeit sprechen wir noch nicht von der teuflischen Zeit in voller Ausbaustufe, sonder nur von der Frühpubertät. Aber um ehrlich zu sein: Mir tät’s schon reichen. Ich hätte nichts dagegen nach den ersten kurzen Expeditionen in diesen unbekannten, unerforscheten und unwirtlichen Landstrich meine Flagge in den Boden zu rammen und mit einem „been there, done that“ den Vorhof der Hölle zu verlassen. Ich hege keinen gesteigerten Ehrgeiz weiter zum eigentlichen Ort des Geschehens vorzudringen. To boldly go where no man has gone before? Thanks, but no thanks. Aber kann ich es mir aussuchen? No. Thanks.

Herrschaften, wir sprechen hier von jenem Kind, das mir schon im zarten Alter von knapp 4 Jahren mit Sätzen wie „Maaami, du musst wirklich nicht immer alles so dramatisiiieeeren“ argumentativ den Wind aus den Segeln nahm. Jenem Kind dessen rasante sprachliche Entwicklung mich täglich beinahe ebenso erfreut wie sie mich zur Verzweiflung bringt. Ja, es besteht Anlass zur Sorge. Und noch mehr: Anlass zu schriftlicher und öffentlicher Psychohygiene. Ist nämlich billiger als ein Therapeut.

Ah, und heiraten werd‘ ich übrigens auch wieder.
Es würde mich mehr als nur wundern, wenn das -trotz itzibitzikleiner Minifeier- nicht auch Anlass für ausreichend Chaos, Irrsinn und panisches Gelächter wäre!
Grund genug also diesen Blog aus der Versenkung zu holen.
Bleibt dran, hier wird es langsam aber sicher wieder alltagsirrwitzig!

 

 

Die furchtbaren Erdbeeren, Kinder, kleine Erwachsene und der ewige Konkurrenzkampf

Helen, die Oma meines Neffen, ist ein Clown. Nein Herrschaften, nicht Clown wie der x-beliebige, leicht enervierende, Witze machende Onkel den wohl jeder in seiner Verwandtschaft hat. Sie ist Clown von Beruf. Zusätzlich noch Schauspielerin, Regisseurin, ausgebildete Kindergärtnerin, Mutter 3er Kinder, mehrfache Großmutter und überhaupt eine g’standene Frau mit Herz, Hirn und Witz.

Helen ist ebenfalls „Helen von Pipifax“. Pipifax ist ein entzückendes Kindertheater, das ich wirklich jedem ans Herz legen kann. In dieser Funktion hat sie heute einen Dialog veröffentlicht, der auf der Gästebuchseite ihrer Homepage stattgefunden hat. Er betrifft ein Thema daß mich schon ein ganzes Zeiterl beschäftigt. Hier mal der Dialog zum Nachlesen:

Sehr geehrte Frau Brugat!

Am letzten Sonntag waren wir mit unseren 3 Kindern im Schloss Traun, um das wirklich langersehnte Stück „Die Raupe Nimmersatt“ zu sehen. Unser Daniel ist 4 Jahre alt und besucht den Kindergarten. Seit seinem Besuch dort, ist es für uns eine tagtäglich…e Zusatzaufgabe, viele Dinge die er dort hört und sieht auszumerzen, geradezubiegen und einfach auf ihn einzugehen. Nun gibt es dort Situationen wie zum Beispiel dass Kinder spucken, dass verbal aggressiv gesprochen wird, dass gelacht wird, wenn sich jemand verletzt, dass geprustet und gespottet wird, und, und, und….

Irgendwie reden wir uns dann den Mund fusslig und erklären und erklären. Und was passiert nun wieder? Jetzt spuckt die Raupe, jetzt wüten die Leckerbissen, jetzt wird wieder mal gelacht, wenn man sich stößt und wenn was weh tut. Und die erwachsene Frau auf der Bühne macht bäääh und pffrh. Die ursprüngliche Geschichte der Raupe Nimmersatt kommt so wie sie ist bei den Kindern allerorts sehr gut an. Da braucht es kein Geschrei und keine Aggressionen. Bitte beantworten Sie uns eine Frage:Woher rührt bloß das (Ihr) Bedürfnis, eine so liebliche und nette Geschichte derart aggressiv zu pushen und warum muss so oft mit guten Geschichten eine Actionparade gemacht werden? Und bitte antworten Sie nicht mit einem: Anderen Kindern hat´s gefallen. Denn erstens sind wir mit unserer Meinung über diese Vorstellung nicht alleine und zweitens finden wir, dass auch DIE Kinder sich was ansehen dürfen, das nicht ver“actioned“ ist. Wissen Sie: Als Kind hat man nämlich keine Chance in der Erwachsenenwelt, wenn man jemanden Popofresser nennt und Grimassen schneidet.Ein anderes Kind ist nach den Birnen weinend raus aus dem Saal. Wir haben´s bis zu den Erdbeeren geschafft. Zudem haben únsere Kinder jetzt eine wirklich eigenartige Haltung gegenüber dem Buch – Schade. Danke im voraus für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen Familie XX

 

Antwort:

Sehr geehrte Familie XX

gerne beantworte ich Ihre Fragen zum Stück „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Ich bin selber ausgebildete Kindergärtnerin, dreifache Mutter und Großmutter und verstehe, dass es im Leben allgemein und im Kindergarten im Speziellen immer wieder Situationen gibt, die für manche Kinder nicht einfach sind.

Kinder fürs Leben vorzubereiten ist eine sehr intensive Aufgabe, die auch immer wieder einen Blick auf die verantwortliche erwachsene Person notwendig macht.

Das Leben ist für Kinder oft unverständlich, so viele Verbote, so viele Einschränkungen, so viel Gewalt. Glücklicherweise gibt es den Clown. Der Clown hat sich seine Kindheit und Kindlichkeit bewahrt. Seinen naiven und direkten Blick auf die Dinge des Lebens. Der Clown reagiert geradeheraus, setzt sich über Tabus hinweg, ist laut, fröhlich und macht aus seinen scheinbaren Schwächen Stärken. Er stolpert wenn er läuft, quietscht wenn er singt, spuckt aus wenn ihm etwas nicht schmeckt. Der Clown ist ein uraltes Ventil um dem Alltag standhalten zu können, um uns selbst zu erkennen, um über uns selbst zu lachen und uns mit Distanz betrachten zu können. Sogar die schlimmsten Despoten in der Geschichte der Menschheit hielten sich Hofnarren. Sie waren die einzigen, denen es gestattet war ungestraft die Wahrheit zu sagen.

Nun, um wieder auf meine Inszenierung von „Die kleine Raupe Nimmersatt“ zurückzukommen. Warum spuckt die Raupe die sauren Birnen wieder aus? Weil sie ein Clown ist!! Weil sie ihr nicht schmecken! Eines meiner wichtigsten Anliegen in all den vielen langen Jahren, die ich mich mit Kindern auseinander setze ist, ihnen Mut zu machen, nein zu sagen – im überzeichneten Sinne auszuspucken. Nicht all den Müll aus ihrer Umwelt aufzunehmen. Bevor sie sich den Magen oder das Herz verderben, sollen sie allemal lieber einmal kräftig ausspucken bzw. nein sagen.

Wenn Sie der Auffassung sind, dass die Birnen „wüten“ nun so kann ich Ihnen in dem Maße recht geben, dass die beiden käppelnden und mieselsüchtigen Birnen wüten-d aufs Leben sind, sie stehen für mich als Symbol für viele Menschen, denen man es in keiner Form recht machen kann. Solch ungenießbare Wesen sind unverdaulich.

Die Erdbeeren necken die Raupe, verstecken sich hinter ihrem Rücken, spielen Fangen, das ist eine Situation die Kinder nur zu gut (zum Beispiel aus dem Kindergarten) kennen und hier durch Lachen – welches wohlgemerkt KEIN Auslachen, sondern das gesunde und befreiende Lachen ist, wenn jemand erkennt, dass er mit einem Problem nicht alleine dasteht.

„Action“ wie Sie es nennen, ist im Kindertheater machmal vonnöten um die Aufmerksamkeit der Kinder eine Stunde lang aufrecht zu halten.

Wenn mich jemand ärgert (im Stück sind es die Erdbeeren), dann steht es mir zu wütend zu sein und meinen Ärger kund zu tun. Wenn ich im Stück beschließe aus ihnen Erdbeermarmelade zu machen ist das lustig, oder denken Sie ernsthaft es sei aggressiv Erdbeermarmelade herzustellen?

Schade, dass Sie es nur bis zu den Erdbeeren geschafft haben, ich bin sicher, ihre Kinder hätten es ohne Schaden und mit viel Vergnügen bis zum Ende des Stückes ausgehalten.

Verständlich, dass die Kinder nun eine eigenartige Haltung zum Buch haben- hätte ich auch, wenn ich mitten in der Vorstellung aus einem lustigen Stück gehen muss.

Mit freundlichen Grüßen

Helen Brugat

Es gibt viele Dinge, die zu diesem Leserbrief anzumerken wären. Die Aspekte des Clowns und die dahinter liegenden Mechanismen des Lachens erklärt Helen in ihrer Antwort selbst, besser kann man’s nicht sagen. Die Frage ob Kinder politsch korrekt zu Lachen haben, also nicht über die Missgeschicke anderer, ist sowieso absurd. Helens Theaterstücke als „ver-actioned“ zu bezeichnen finde ich auch absonderlich, sie sind entzückend! Ich habe mit meinem Sohn gemeinsam „Der Grüffelo“ gesehen und er mit dem Kindergarten „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Er hat beide geliebt.
Aber an einem Satz bin ich besonders lange hängen geblieben:
„Wissen Sie: Als Kind hat man nämlich keine Chance in der Erwachsenenwelt…“.

Entschuldigung?
Kinder brauchen keine „Chance“ in der Erwachsenenwelt, denn: sie sind Kinder!!!
Es ist unsere verdammte Verantwortung als Eltern, ihnen die schillernd bunte Seifenblase der Kindheit möglichst lange zu erhalten. Versteht mich hier nicht falsch. Ich bin keine antiautoritäre Mutter. Ich finde es NICHT OK wenn Kinder in Restaurants Wettrennen um den Tisch machen und sich mit Essen bewerfen. Aber eine Chance in der Erwachsenenwelt hat wer? Genau. Erwachsene! Und es kann nicht das Ziel sein, aus Kindern kleine Erwachsene zu machen. 

Des Weiteren konnte ich nicht umhin über die Helden meiner Jugend nachzudenken. Puuuhhhh… mit denen hätte Familie XX vermutlich keine rechte Freud‘. Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Karlson vom Dach. Alles keine Ausbünde an  Sanftheit und Unterordnungswillen. Da geht’s manchmal schon recht heftig zur Sache. Gestalten wie Winnie Puh (lustig weil dämlicher Tollpatsch), Ferkel (lustig weil feig), Rabbit (lustig weil notorischer Miesepeter) sind dann vermutlich auch aus dem Rennen. Uiii… Pinoccio. Gaaanz schlecht. Mhhhmmm… Märchen? Auch nicht besser. Was muss ich bloß für ein moralisch verkommener Erwachsener sein, da ich mit diesen role-models aufgewachsen bin. Aber vielleicht reicht meine Selbstreflexion einfach nicht zu dieser Erkenntnis.

Folgendes kann ich allerdings an meinem Kind beobachten: Er darf ab und an Fernsehen (also vornehmlich DVDs schauen) und bekommt täglich vorgelesen. Seine Lieblinge unterscheiden sich nicht sehr von den Meinen.  Viele der oben genannten plus ein paar Neuen.
Erstaunlicher Weise –ob all dieser Brutalität, Häme und Manierenlosigkeit- pinkelt er auch nicht gegen das Tischbein, verdrischt keine Leute, und –oh Wunder- schiebt keine Hexen in den Ofen. Im Gegenteil, er ist für sein Alter ein ganz entzückendes, hilfsbereites und weitgehendst sanftmütiges Kerlchen. Und warum?

Weil Kinder nicht blöd sind! Sie könne unterscheiden zwischen Realität und Fiktion, speziell wenn sie ein Elternhaus haben, in dem sie sich gut aufgehoben fühlen und in dem Ihre Fragen beantwortet werden. Kinder lieben Clowns (gut, ich tat es nicht, aber das ist eine andere Geschichte), sie lachen herzlich und ausgiebig wenn es den Tollpatsch zum 5ten mal über die eigenen Füße haut. Werden sie deswegen ein anderes Kind auslachen wenn es hinfällt? Im Normalfall nicht. Nicht wenn sie zu Hause gelernt haben, daß man respektvoll mit anderen Wesen umgeht. Aber über den Clown lachen sie bis sie Bauchweh haben.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Es ist gut und wichtig, Kinder vorzubereiten auf das was das Leben Ihnen abverlangt. Aber nehmt ihnen nicht ihre Kindheit, ihr nehmt ihnen sonst ihren Charakter. Sie werden bequeme, wirtschaftlich funktionierende Ameisen, aber nicht die Individuen die wir selbst uns brüsten zu sein. 

Aber es scheint sich bei vielen Menschen im Augenblick der Geburt ein Schalter umzulegen. Ab dann ist alles nur mehr ein Wettkampf. Mit Schrecken erinnere ich mich an eines der wenigen Male als ich mich zur „Rückbildungsgymnatik“ eingefunden habe. Meist immer noch fette Frauen mit Milchbrüsten so groß wie Wassermelonen tun so als würden sie Sport betreiben (Sollte ich hier jemandem zu nahe treten, sorry. Aber ich nehme mich aus diesem Urteil ganz und gar nicht aus, wenn das als Entschuldigung gilt!). Ich schwöre, ich lüge nicht, innerhalb von Minuten entbrannte eine wilde Diskussion darüber, wessen Geburt schmerzhafter war und wessen Damm weiter gerissen ist!! Mal abgesehen davon, dass ich generell nicht das geringste Interesse am Dammriss anderer Frauen aufzubringen vermag, aber bitte: wer von euch ist im Laufe seines Berufslebens jemals gefragt worden, wie seine eigene Geburt war, wann er stubenrein war, wann er korrekt mit Messer und Gabel essen konnte? Selbst Fragen wie „Konnten sie vor dem Schuleintritt schon schreiben oder haben sie das erst in der Volksschule gelernt?“ sind mir persönlich nie gestellt worden. Und doch dreht sich das Leben vieler Eltern –so scheint es- nur und ausschließlich um die Frage in welcher Disziplin der Spross nun brilliert. Sei es nun Töpfchengehen oder rückwärtig und im Handstand Integralrechnungen lösen und das noch vor dem 10ten Geburtstag. Eislaufmütter und Tennisväter (politisch korrekt ist anders, aber das Bild bietet sich nun mal an) fallen übrigens oft in die gleiche Kategorie.  Die Grenze zwischen Fördern und Überfordern wird nur allzu leichtfertig überschritten, leider immer auf Kosten des wertvollsten Guts das ein Kind hat: die Kindheit. Daher mein Aufruf: Lasst die Kinder doch Kinder sein. Erwachsen werden sie noch früh genug.

So. Die Familie XX hat mich also eine ganze Zeit lang beschäftigt. Um ehrlich zu sein schwirren in diesem Themenkreis noch viele andere Gedanken in meinem Kopf herum, vielleicht bald ebenfalls hier zu lesen. Ich werde demnächst meinen kleinen Prinzen, der mit dem Herzen so gut sieht, ins Bett bringen und ihm vor dem Einschlafen vorlesen.  Und werde heute ein ganz und gar unkorrektes und dafür umso lustigeres Buch wählen. Und mich freuen wenn er dabei –völlig unkorrekt- gluckert vor Lachen wie eine alte Wasserleitung!

Pssssstttt… leeeiiise! Hier wird geschlafen.

Mein Blog schläft. Zzzzzzzz…
Lasst Ihn schlafen! Ich beneide Ihn.
Schlaf ist ein wertvolles Gut, das man wie so viele andere erst dann zu schätzen weiß wenn man es nicht (mehr) hat. Es gibt Tage, da frage ich mich, wie das wohl wäre, wiedermal so ganz, voll und richtig ausgeschlafen zu sein. Ein Tag als Vollzeitmutter, Vollzeitpartnerin, Teilzeitangestellte und auch sonst nicht unbeschäftigte Frau lässt schon rein rechnerisch – will frau nicht gänzlich aufs Privatleben verzichten- viel zu wenig Zeit für Schlaf übrig.

Unlängst diskutierte ich mit einer Freundin die Anzeichen des heraufdräuenden Alters. Neben den üblichen Verdächtigen wie Krähenfüßen, Stirnfalten, aufkeimender Orangenhaut und dem ein oder anderen Kilo zu viel wird folgendes immer wieder genannt: „Ich halte Nix mehr aus!“.

Hierzu von mit ein entschiedenes NEIN. Werft mir Realitätsverweigerung vor, knallbunten Zweckoptimismus, was auch immer, aber nein. Das stimmt nicht, zumindest bei mir. Ja, wenn ich mal wieder einen Abend lang g‘scheit über die Stränge schlage leide ich nachher drei Tage wie ein Hund im Regen, bzw. wie der Besitzer eines wasserscheuen Hundes, der im strömenden Regen steht, während sich das Mistviech unter der Parkbank schön im Trockenen versteckt. Als ehemalige Dackelbesitzerin weiß ich wovon ich spreche, schallendes Gelächter der nebenan stehenden Taxler inklusive. Trotzdem, es ist nicht der Abend, der mich umbringt.

Es ist mein Verhalten am Folgetag. In meinen 20ern ging ich weg, verdunkelte beim Heimkommen die Wohnung, stand irgendwann am frühen Nachmittag auf um Nahrung und Flüssigkeit zu- und ab zu führen, ging wieder schlafen und war am nächsten Morgen dementsprechend ausgeschlafen und fit wie ein Turnschuh. Kunststück. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 22,785 Stunden Schlaf hinter mir! Und genau diese 22,785 Stunden fehlen mir heute. Weil sie es mir nicht wert sind, ich die Ruhe nicht mehr habe, einen Tag derart ereignis- und tatenlos an mir vorbei ziehen zu lassen. Spätestens um 11h00, egal wie lang die Nacht war, habe ich das Gefühl uuuuuunglaublich viel zu versäumen, wenn ich jetzt nicht in der Sekunde aus den Federn hüpfe. Was in Realita das völlige Gegenteil von Altersweisheit ist. Denn wahr ist: von hüpfen keine Spur. Es ist mehr ein schleppen, stolpern und schlurfen, eine energetische Nullrunde, von der eh keiner was hat, ich am allerwenigsten. Allein der Schreckmoment im Badzimmer angesichts der lebenden Leiche im Spiegel (gemeinerweise sowohl als Portrait als auch als Ganzkörperbild unausweichlich) ist dazu angetan mir nachhaltig den Tag zu verderben. Drei bis vier Kaffee später ist die Welt immer noch nicht bunter, mein Teint immer noch fahl und der Tag immer noch fad. Aber nochmal ins Bett? Neeeeiiin, ich könnte ja soooo viel versäumen. Was genau? Keine Ahnung. Eine spannende Partie Zecherldomino eventuell. Oder thrill and kill beim Staubfutzerlwettzählen.

Ich halte also fest: Ich würde noch genauso viel aushalten wie früher. Zweifelsohne. Das Problem ist halt nur, dass ich mir die notwendige Erholungszeit nicht mehr gönne. DAS, Herrschaften ist nämlich das eigentliche Zeichen des Alterns. Nicht die Falten, für die gibt’s Cremes, Botox oder Skalpelle. Nicht die Kilos, denen kann man mit Sport und co. den Gar ausmachen. Es ist das deppate Verschieben von Prioritäten. Ja, ok, einige dieser Verschiebungen sind gut, notwendig, weise und sehr sinnvoll. Aber manche machen uns das Leben unnötig schwer. Ich werde also in Hinkunft versuchen mich geistig wieder zu verjüngen. 29F, olé, auf 35 wird gesch….! Und auch mal wieder einen Tag völlig an mir vorbei ziehen lassen, Fünfe mal wieder grade sein zu lassen und einfach mal…
 Schlafen. Denn, ganz ehrlich, auf der Top-10 Liste der angenehmsten Beschäftigungen des Lebens hat Schlaf einen Fixplatz unter den ersten Dreien. Mindestens.

Und unter Umständen gäbe es, wenn dieses Etappenziel erreicht ist, auch noch ein Paar Andere lebenserschwerende Proritätenverschiebungen die es wert wären überdacht zu werden. Schau‘ ma mal dann sehn‘ ma scho…

Mist, jetzt hab‘ ich’s doch getan. Der Blog ist aufgewacht. Dabei hab ich doch versucht ganz leise zu sein um ihn ja nicht in seiner Ruhe zu stören. Naja, jetzt is er schon mal munter, dann schau ich halt, dass er nicht wieder einschläft…

It’s done…. und eine kleine Beschwerde

Soda, Herrschaften. 1 Woche Sendepause und in dieser habe ich was getan? Ja, genau, ich bin mit Kind, Katz und Kegel umgezogen. Noch nicht komplett, aber doch weitgehendst, der Rest folgt nun peu à peu. Der wirkliche Kraftakt liegt allerdings hinter mir.

Wie es sich anfühlt? Als ob im Leben kaum eine Entscheidung richtiger gewesen wäre. Ich fühle mich so sehr zu Hause wie seit Jahren nicht mehr. Die Katzen übrigens auch. Der kleine Prinz kämpft noch ein wenig mit der Veränderung, aber ich denke das ist normal, hatte er mich doch bis dato als One-Woman-Wonder-Show für sich alleine und muss mich nun doch mit einem zweiten Kerl teilen. Das führt wohl zwangsläufig zu Versuchen das Mama-Revier zu markieren. Wobei sich diese Versuche sehr in Grenzen halten und sich eigentlich nur in einer verstärkter Anhänglichkeit äußern, also alles im grünen Bereich.

Zusammengefasst: Alles pipi-fein. Jetzt geht es allerding daran Lebensrythmen und Gewohnheiten jeweils an den/die neuen Mitbewohner anzupassen, und das verspricht was? Genau! Wieder jede Menge Alltagschaos backbord voraus!

So, und jetzt die Beschwerde.
Ich habe mein Kind im Kindergarten. Ein toller Kindergarten und er geht wirklich gerne hin. Aber WAS zur Hölle hat sich WER dabei gedacht, das diesjährige Sommerfest nicht nur bereits um 14h30 an zu setzen, was für berufstätige Eltern schon herausfordernd genug wäre. Nein, es findet auch noch an einem Mittwoch statt. Nicht Freitags, wo eine frühe Flucht aus dem Schacht auch ohne unglaubliche Handstände möglich wäre, neeeeeiiiin. Aber das war’s ja noch nicht. 14h30 halbwegs zentral ginge ja noch irgendwie. Aber 14h30 am A…. der Welt, in einem Kaff das Eingeweihte eventuell an seinen Initialen „KL“ erkennen können (und nein, ich meine nicht Kaiserslautern), ist in meinen Augen schlichte Schikane. Oder simple Dummheit. Im besten Falle völlige Gedankenlosigkeit. Macht’s aber auch nicht besser.
Needless to say: ich werde teilnehmen. Weil ich es mir nicht nehmen lassen werde dabei zu sein, wenn mein Kleiner wieder sein zartes Stimmchen erhebt, die Rampensau rauslässt und die versammelte Kindergartenmannschaft niedersingt/brüllt. Und dann mit stolzgeschwellter Minibrust vor mir steht und sagt: „Maaaami, ich war soooo gut!“. Solche Dinge versäume ich aus Prinzip nicht, also werde ich die Herausforderung annehmen und das Unmögliche möglich machen. Ich werde an einem Mittoch pünktlich um 14h30 in dem Kaff aufkreuzen, das sonst nur Motorradfahrer vom durchdüsen kennen. Aber wenn dann alles vorbei ist werde ich es mir nicht nehmen lassen mal eine zuständige Person freundlich aber direkt zu fragen: „Sagen Sie mal… saufen sie heimlich?“

Der Countdown läuft

Jede Menge erste Male bringen auch Eines mit sich. Letzte Male. Heute zum Beispiel den letzten Montag in der alten Wohnung. Ich freue mich auf die Zukunft, und doch blicke ich mit einem Hauch von Wehmut auf die letzten 2 Jahre. Es war eine gute Zeit. Eine gute Wohnung. Sie gab mir Halt als alles Andere im Chaos versank. War mein Startpunkt in ein neues Leben. Jetzt verabschiede ich mich langsam von ihr. Es ist nicht so schlimm wie bei meinem ersten Auto, ich werde nicht Rotz und Wasser heulen wenn ich sie zurück lasse. Aber ganz einfach ist es nicht!

Muttertag. 1 Bitte, 1 Lösung

Gleich vorweg: Ich bin wirklich gerne Mutter.
Ich liebe diesen völlig unterbezahlten 24/7/365 Job, der jedem Arbeitsrechtler ein seeliges Lächeln ins Gesicht treiben würde, ließe ihn doch die anstehende Klageeinreichung bezüglich der mehr als mangelhafen Arbeitsbedingungen schon Talerberge imaginieren, die selbst Dagobert Duck zur Zufriedenheit gereichen würden. Keine Bezahlung, kein Ansehen, viel Mühe, wenig Schlaf. Für all das gibt es genau einen Lohn: Die Liebe eines Kindes. Ein Lächeln meines Kindes reicht und Blut, Schweiß und Tränen sind vergessen. Es gibt nichts Schöneres.

Aber wir wollen der Wahrheit ins Gesicht sehen, Mutter sein ist kein Spaziergang. Eher eine round-the-world Trekking-tour mit mangelhafter Ausrüstung. Kinderkrankheiten, Schulstress und Pubertät sind nur drei der zahllosen Achttausender die es -selbstverständlich ohne Sauerstoffgerät- zu bezwingen gilt. Und Muttertage machen die Sache auch nicht besser, eher im Gegenteil.

Es ist ja nicht mal so als könnte frau an diesem einen Tag im Jahr zumindest ausschlafen (wer Kinder hat, weiß welch wertvoll Gut Schlaf ist!), eher ist das Gegenteil der Fall.
Zu nachtschlafener Zeit ertönt aus der Küche Lärm, der normalerweise eher einem durchtobenden Orkan als einem Frühstück zubereitenden Menschen zuzuordnen wäre. Frau liegt also da, memoriert still die Telefonnummer ihres Haushaltsversicherers  und harrt, nervös und putzmunter, der Dinge. Eine Weile und 3 zerbrochene Gläser später erscheint stolz der kleine Liebling, in einer Hand einen Kakao mit Haut (ooohhhhh… leeecker… würg), in der anderen… ein Ding.

Das Ding. Das gefürchtete Ding. Der Gegenstand des Schreckens, bei dem man irgendwie immer nur alles falsch machen kann, speziell in jungen Kinderjahren, wenn das kleine Seelchen noch besonders verletzbar ist. Ohhhh, daaanke Herzi, sooo eine schöne Vase!… Tränen… schluchz… Maaaammiii, das ist keine Vaaahaase, das ist ein Kerzenhalter. Verdammt.

Ich garantiere: kaum ein Fettnapfausstieg ist schwieriger und gleichzeitig wichtiger als dieser, und eigentlich bin ich in dieser Disziplin Vollprofi!
Wieso können eigentlich die verehrten Kindergartenpädagogen unter dem Namensschilderl nicht gleich auch klein und unauffällig den Zweck des Dinges vermerken?  Vase, Briefbeschwerer, Kerzenhalter? Ein einzelnes Wort und den Müttern dieser Welt wäre ungeheuer geholfen. Auch wirklich nur so lange die Kleinen nicht lesen können. Denn bei Erreichen der Lese-/Schreibreife sind normalerweise auch die motorischen Fähigkeiten der Nachwuchskünstler so fortgeschritten, daß man des Pudels Kern mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst erkennen kann.

Bitte, liebe KindergärtnerInnen, helft uns. Zerbrochenes Geschirr, angebrannte Toasts und Kakao mit Haut sind schlimm genug, und wir freuen uns ja eh -und das meine ich wirklich ganz, ganz ernst- wie die Christkindln über die Bastelkunstwerke unserer Lieblinge. Und genau deswegen, weil nichts schlimmer ist als dieser Moment der Enttäuschung in den Augen eines Kindes, das Sekunden davor noch vor Stolz geplatzt ist: Ein kleines Pickerl mehr, und der Muttertag ist gerettet!

Wobei: Mein diesjähriger Muttertag war ein guter. Erstens konnte ich dieses Jahr in der Tat zum ersten Mal mühefrei den überreichten Teelichthalter als solchen erkennen. Zweitens habe ich selber eine kluge Mutter. Diese hat die diesjährige Frühstücks-Feierlichkeit kurzerhand, zum Zwecke der Stressreduzierung, ins verlängerte Wohnzimmer unseres Vertrauens verlegt. Das Wetter hat auch mitgespielt, die Kids hatten Freilauf, während wir genüsslich getrüffelte Eierspeis, Räucherlachs und co. verspeisen konnten. Keiner hatte was zu tun, keine Vorbereitungen, keine anschließenden Geschirrberge, eine kleine Auszeit für Alle. Außer vielleicht für die betroffenen Kellner, aber diese wurden mit ausreichend Trinkgeld versöhnt. Schließlich wollen wir ja wiederkommen und ein Familienfrühstück genießen. Und nein, nicht erst in einem Jahr, wir machen das öfter. Denn bei uns braucht es keinen Feiertag um uns selbst zu feiern. Aber wenn er schon da ist, nehmen wir ihn gerne zum Anlass, schad‘ ja nix!