Muttertag. 1 Bitte, 1 Lösung

Gleich vorweg: Ich bin wirklich gerne Mutter.
Ich liebe diesen völlig unterbezahlten 24/7/365 Job, der jedem Arbeitsrechtler ein seeliges Lächeln ins Gesicht treiben würde, ließe ihn doch die anstehende Klageeinreichung bezüglich der mehr als mangelhafen Arbeitsbedingungen schon Talerberge imaginieren, die selbst Dagobert Duck zur Zufriedenheit gereichen würden. Keine Bezahlung, kein Ansehen, viel Mühe, wenig Schlaf. Für all das gibt es genau einen Lohn: Die Liebe eines Kindes. Ein Lächeln meines Kindes reicht und Blut, Schweiß und Tränen sind vergessen. Es gibt nichts Schöneres.

Aber wir wollen der Wahrheit ins Gesicht sehen, Mutter sein ist kein Spaziergang. Eher eine round-the-world Trekking-tour mit mangelhafter Ausrüstung. Kinderkrankheiten, Schulstress und Pubertät sind nur drei der zahllosen Achttausender die es -selbstverständlich ohne Sauerstoffgerät- zu bezwingen gilt. Und Muttertage machen die Sache auch nicht besser, eher im Gegenteil.

Es ist ja nicht mal so als könnte frau an diesem einen Tag im Jahr zumindest ausschlafen (wer Kinder hat, weiß welch wertvoll Gut Schlaf ist!), eher ist das Gegenteil der Fall.
Zu nachtschlafener Zeit ertönt aus der Küche Lärm, der normalerweise eher einem durchtobenden Orkan als einem Frühstück zubereitenden Menschen zuzuordnen wäre. Frau liegt also da, memoriert still die Telefonnummer ihres Haushaltsversicherers  und harrt, nervös und putzmunter, der Dinge. Eine Weile und 3 zerbrochene Gläser später erscheint stolz der kleine Liebling, in einer Hand einen Kakao mit Haut (ooohhhhh… leeecker… würg), in der anderen… ein Ding.

Das Ding. Das gefürchtete Ding. Der Gegenstand des Schreckens, bei dem man irgendwie immer nur alles falsch machen kann, speziell in jungen Kinderjahren, wenn das kleine Seelchen noch besonders verletzbar ist. Ohhhh, daaanke Herzi, sooo eine schöne Vase!… Tränen… schluchz… Maaaammiii, das ist keine Vaaahaase, das ist ein Kerzenhalter. Verdammt.

Ich garantiere: kaum ein Fettnapfausstieg ist schwieriger und gleichzeitig wichtiger als dieser, und eigentlich bin ich in dieser Disziplin Vollprofi!
Wieso können eigentlich die verehrten Kindergartenpädagogen unter dem Namensschilderl nicht gleich auch klein und unauffällig den Zweck des Dinges vermerken?  Vase, Briefbeschwerer, Kerzenhalter? Ein einzelnes Wort und den Müttern dieser Welt wäre ungeheuer geholfen. Auch wirklich nur so lange die Kleinen nicht lesen können. Denn bei Erreichen der Lese-/Schreibreife sind normalerweise auch die motorischen Fähigkeiten der Nachwuchskünstler so fortgeschritten, daß man des Pudels Kern mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst erkennen kann.

Bitte, liebe KindergärtnerInnen, helft uns. Zerbrochenes Geschirr, angebrannte Toasts und Kakao mit Haut sind schlimm genug, und wir freuen uns ja eh -und das meine ich wirklich ganz, ganz ernst- wie die Christkindln über die Bastelkunstwerke unserer Lieblinge. Und genau deswegen, weil nichts schlimmer ist als dieser Moment der Enttäuschung in den Augen eines Kindes, das Sekunden davor noch vor Stolz geplatzt ist: Ein kleines Pickerl mehr, und der Muttertag ist gerettet!

Wobei: Mein diesjähriger Muttertag war ein guter. Erstens konnte ich dieses Jahr in der Tat zum ersten Mal mühefrei den überreichten Teelichthalter als solchen erkennen. Zweitens habe ich selber eine kluge Mutter. Diese hat die diesjährige Frühstücks-Feierlichkeit kurzerhand, zum Zwecke der Stressreduzierung, ins verlängerte Wohnzimmer unseres Vertrauens verlegt. Das Wetter hat auch mitgespielt, die Kids hatten Freilauf, während wir genüsslich getrüffelte Eierspeis, Räucherlachs und co. verspeisen konnten. Keiner hatte was zu tun, keine Vorbereitungen, keine anschließenden Geschirrberge, eine kleine Auszeit für Alle. Außer vielleicht für die betroffenen Kellner, aber diese wurden mit ausreichend Trinkgeld versöhnt. Schließlich wollen wir ja wiederkommen und ein Familienfrühstück genießen. Und nein, nicht erst in einem Jahr, wir machen das öfter. Denn bei uns braucht es keinen Feiertag um uns selbst zu feiern. Aber wenn er schon da ist, nehmen wir ihn gerne zum Anlass, schad‘ ja nix!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s