Pfffffff…..

Pfffffffffffffffff…. gilt so ein einzelnes lautmalerisches Schmuckstückerl schon als vollwertiger Blogeintrag? Nicht? Schande! Denn eigentlich beschreibt es die letzten Tage recht umfassend. Pfffff…. Luft draußen. Aus Maus. Tot.
Es war „sein“ Umzugswochenende, und im Grunde genommen haben wir mit Bravour bestanden. Die wichtigen Dinge sind umgesiedelt & eingeräumt, ein paar weniger wichtige sind umgesiedelt und wohnen noch in Kisten, aber das Wohnzimmer ist als solches schon erkennbar und wir haben das wunderschönste Schlafzimmer aller Zeiten. Soviel mal vorab.

Besonderheiten dieses Wochnendes? Zum Beispiel eine Expedit-Debatte. Deja vu? Nein.
Denn es ging nicht um mein schon besprochenes, altes Teil und dessen Umzug, sondern um seines. Es begann am Vormittag beim Abbau in seiner alten Wohnung, als ich anregte, die Bretter doch zu beschriften, das wäre dann beim Wiederaufbau sicher von Vorteil. Speziell nachdem es kein standard Kastl-Expedit ist sondern so eines mit Fernseherausnehmung, es ist also wirklich nicht egal wie man es wieder zusammenbaut. Also beschriften? Neiiiiiiin, ein echter Mann braucht das nicht. Jo eh.
Das Wiederzusammensetzen des Expedit-puzzles raubte uns dann am Nachmittag etwa… naja, gute 2 Stunden. „Ich habs Dir ja gesagt“…“Sag amal, hörst Du mir machnmal zu?“  „Ich sags Dir gern noch 5 mal, aber die Bohrung von dem einen Brett passt nicht auf diesen Teil“… „Können wir das nächste Mal doch beschriften?“… „Gehst mir bitte nicht am Nerv?“… „Wir suchen ein Brett mit einer kurzen und einer langen Bohrung…. Häääähhh?…. Na so!… Na dann sag gleich ‚einmal Außen und einmal Innen‘ dann verstehts der Uneingeweihte auch!“…und so weiter und so fort. Ja, wir hatten Spaß. Wir hatten laaaange Spaß. Was bei gutem Sex allerdings als Qualitätsmerkmal gilt, ist beim Aufbau eines Regals eher unerwünscht, find‘ ich. Aber letztendlich haben wir das Drum zusammengebastelt und haben uns nicht gegenseitig umgebracht. Ich lass mir jetzt ein T-shirt drucken auf dem steht: „Expedit, Part xx. I survived!“ (Nachsatz: Und Recht hatte ich auch!)

Des weitern zu vermerken an diesem Wochenende: Eine Wurzelbehandlung.
Nicht im übertragenem Sinne, ich spreche also nicht von der Verrichtung ungeliebter Tätigkeiten, denn derer gab es so Einige, sondern einem Zahnarztbesuch mit allem Pipapo. Es lebe der zahnärztliche Notdienst, er lebe hoch! So ein Arzttermin mitten im Umzugschaos ist auch was recht Erfrischendes und hält den Betrieb eh nicht auf, Zeitmanagement olé. Allerdings sind schachmattsetzende Zahnschmerzen in noch höherem Ausmaß zeitraubend (von schmerzhaft mal ganz abgesehen), daher hieß es heute Nachmittag: Ab zum Bohrprofi mit ihm. Armer Kerl, echt tapfer, speziell wenn ich sein Verhalten mit meinen vorprogrammierten Panikattacken angesichts eines solchen Artztermins vergleiche. Alle Achtung.

Morgen wird dann noch -von Profis, gegen Einwurf einer gar nicht so unbedeutenden, baren Münze- das Eiskastenungetüm übersiedelt und dann ist der männliche Teil es Umzugs beinahe vollendet. Fehlt dann „nur“ mehr der weiblich/kindlich/kätzische Teil. Kleinigkeit…
Angesichts dessen versuche ich mich gerade dazu zu motivieren heute noch 1,2 Kisten zu packen, aber ganz ehrlich: ich glaub das wird nix mehr. Warum? Pffffff…….

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Superheld gesucht

Wer von Euch hat sich schon mal intensiv auf ein größeres Sportereignis vorbereitet? Ein Marathon, ein wichtiges Match, ein großes Turnier? Oder ein richtig wichtiges, aufwendiges und anspruchsvolles Meeting, einen großer Event oder einen karriereentscheidenden Auftritt vorbereitet? War schon mal hochschwanger?

Wer bei irgendeinem der o.a. Dinge „Ja, ich!“ denkt, kennt ihn. Den Moment. Man bereitet sich emsig vor, tut sein Bestes, gibt sein Letztes, den Blick immer auf den Tag X gerichtet. Lässt darob vieles liegen was eigenlich auch zu erledigen wäre, aber sei’s drum, das ist ja nicht so dringend. Freut sich auf die Gelegenheit sich zu beweisen, den Schritt nach vorne, das erreichte Ziel. Aber er ist unausweichlich. Er kommt immer, ganz egal was man tut. Der Moment an dem Alles in Einem, Körper, Seele, Geist, wirklich Alles schreit „ooooiiiiidaaaa, I wü nimma!“

Charmanter formuliert: Das Zwischentief.
Ein fieses Wesen, es überfällt einem aus dem Hinterhalt, verbeißt sich im Nacken und lässt so schnell nicht wieder los. Motivationsnotstand. Da nützt es auch nix, daß man sich 128 x vorsagt: „Hey, nur die Ruhe, du hast es eh bald hinter dir, einmal noch Gas geben, dann ist es vorbei!“ Das Zwischentiefbiest hat nämlich immer eine Antwort parat. Diese ist wenig abwechslungsreich, sie lautet immer: Nein! Ende der Aussage. Hat es doch mal seinen eloquenteren Tag beginnt es Goethe zu zitieren und behauptet von sich selbst es sei der Geist der stets verneint. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müsste man das oberschlaue Monster eigentlich mit einer gestreckten Geraden zum Schweigen bringen, nur ist das nicht so einfach. Es ist nämlich ganz eng verwandt mit dem inneren Schweinehund, verfügt wie dieser über eine beinahe unbesiegbare Gumminatur und weicht -selbst wenn man es trifft- nur kurz zurück um dann fies lächelnd sofort wieder zu seiner ursprünglichen Form zurück zu kehren. Es bedarf veritabler Superkräfte um sich dieses Quälgeists zu entledigen.

Wieso ich das schreibe? Unschwer zu erraten: Ich stecke mittendrin. Das Zwischentiefmonster hält mich fest in seinen Klauen, und ich frage mich verzweifelt, wo denn nun bitte die Superhelden meiner comicaffinen Jugend geblieben sind, die doch immer (!) verlässlich zur Stelle sind, wenn eine holde Maid in Nöten ist. Mein persönlicher Superheld ist nämlich gerade indisponiert, der kämpft mit seinem eigenen Motivationsdämon….

Batman? Spiderman? Superman? Anyone????

Nachtrag

Nachdem der gestrige Tag, wie beschrieben, mit eifrigem Nichtstun begonnen hat, habe ich dann doch noch die folgenden Dinge erledigt:

– des Prinzen Gewand aussortiert. Kennt noch wer das Märchen von Hans und der Bohnenranke? … Gib mir die Kuh, ich geb Dir die Bohnen, wenn du sie am Abend einpflanzt, so sind sie am Morgen bis zum Himmel gewachsen… Nun, mein Sohn wächst schneller als diese Zauberbohnen. Ich überlege ihn heute schon für die Jugendmannschaft der Lakers anzumelden, denn wenn er in dem Tempo weiter macht, ist er spätestens mit 7 Jahren 2,28m groß. Daher wurde ein riesiger, prallgefüllter Ikeasack an Kleidung aussortiert und auch bereits an den -noch- Kleinen meiner Schwester weiter gegeben.

– Ich habe weiters mit ihm gespielt, gelacht, gekocht, gegessen, habe mir Geschichten ausgedacht und sie erzählt, wir haben gebastelt, ein wenig fern geschaut, gebadet, gesungen und sind schlafen gegangen. Ein Wochenendtag mit Kind, mit allem drum und dran halt.

– jetzt kommt’s: bis auf 3 wurden alle Magazine zusammengesammelt, gesichtet, zu Kranichpapier verarbeitet und der Rest bereits im Altpapierkontainer entsorgt

– 35 regenbogenbunte Papierkraniche gefaltet. Falls wer wissen will, wie das geht: ich bin jetzt Profi, gebe gerne Nachhilfe!

Alles in allem gar keine schlechte Bilanz für einen Tag an dem ich mich eigentlich zu Nichts motivieren konnte, finde ich!
(Applaus – gerne auch in Form von standing ovations – Schulterklopfen, Belohnungsschokolade, Beruhigungsschnaps und ähnliche wertschätzende Beifallsbekundungen werden dankend entgegen genommen!)

Vermeidungsstrategien…

Beim heutigen Morgenkaffee habe ich etwas beschlossen. Heute fange ich an. Zumindest mit Ausmisten! Es zieht zwar nächstes Wochenende erst mal nur der beste aller Männer um, aber was getan ist, ist getan! Energie geladen, entschlossen und getragen von Vorfreude habe ich mich also an die Arbeit gemacht.

Begonnen habe ich auf der Toilette. Ja, OK, nicht der umzugs-aufwändigste Raum, aber immerhin, da steht ein übervoller Zeitschriftenständer (nicht der einzige seiner Art in meiner Wohnung übrigens), und den wollte ich ausmisten. Welche Zeitschriften hebe ich auf, welche kommen weg? Und energiegeladen entschied ich mich: ALLE kommen weg. Sprachs, nahm den Stoß in die Hand und brachte ihn in die Küche, in Richtung Altpapier Mistkübel.

Und da habe ich ihn gemacht. Den entscheidenden Fehler. Ich habe sie kurz durchgeblättert… Soooo viel wunderschönes, bunt bedrucktes Hochglanzpapier. Da muss man doch noch was drauß machen können!

To cut a long story short: Seit dem sitze ich und reiße schöne, bunte Anzeigen raus, schneide Papierquadrate daraus und falte Kraniche. Weil ich doch immer schon so einen wunderschönen alten knorrigen Zweig haben wollte, an dem urviele, regenbogenbunte Kraniche hängen, und in der neuen Wohnung wäre das einfach perfekt.

Ich bin begeistert von dieser Idee, nur die Sache mit dem Ausmisten… eher ein Streichresultat. Naja, 2 Magazine hab‘ ich ja schon durch, bei dem Tempo bin ich dann 2028 beinahe fertig umgezogen…

Eine Ode an die Katzen

In ancient times cats were worshipped as gods. They have not forgotten this.
(Terry Pratchett)

Hätten mir Pratchett’s Scheibenwelten nicht schon vor Jahrzehnten heitere Stunden beschert, spätestens für diesen Satz würde ich ihn lieben. Ich unterstelle jetzt kurzerhand eines: Er hat Katzen und liebt Sie, ansonsten käme ihm dieser goldrichtige Satz nicht in den Sinn.

Ich habe eine Katzenprinzessin göttlicher Herkunft und einen Katzentölpel simpelster Abstammung. Wer die Beiden kennt, weiß: unterschiedlicher kann ein Geschwisterpaar kaum sein. Als die Gehirnzellen im Mutterleib verteilt wurden rief sie laut, deulich und unüberhörbar „hier“. Er… schlief. Bei der Muskelmassenaufteilung, Gutmütigkeit und Herzensgröße wachte er kurz auf, bekam seinen Teil und schaltete sein -bescheidenes- Hirn gleich darauf wieder in den Normalzustand, den der freizeitorientierten Schonhaltung nämlich. Womit auch die Themenbereiche Eleganz, Grazie, Geschick und Taktik spurlos an ihm vorbei gingen.

Mein Kater gehört zu jenen Exemplaren, die sich an altersschwache Vögel anschleichen, eher mäßig getarnt mit leuchtend rot/weißen Fell in der  2 cm kurz gemähten Wiese, sich hinter einer einzelnen Tulpe verstecken (mein Ernst!), mit dem Hintern wackeln, den Vogel mit einem -naja, vielleicht zwei oder drei- geschmeidigen Satz angreifen und sich dann wundern warum das Beutetier nicht mehr da ist. Dieses hatte nämlich ausreichend Zeit aus dem Mittagsschläfchen aufzuwachen, die dritten Zähne in den Schnabel zu tun, sich ächzend aufzurichten, einen Kaffee zu trinken, dem Kater den -sprichwörtlichen- Vogel zu zeigen und mit quietschenden Rollatorrädern sehr gemächlich davon zu schlendern. Mein Kater ist einer von jenem, denen in ihrer göttlich-kätzischen Eleganz das Talent gegeben ist mit einem einzigen Schwung ihres Schwanzes 250g zum Backen vorbereitetes Mehl aus einer Schüssel heraus und quer durch die ganze Küche zu befördern (erst heute geschehen).

Meine Katze ist angesichts des Verhaltens ihres Bruders hauptberuflich mit einem beschäftigt: Sie geniert sich. Ihren Augen kann man es förmlich ansehen wenn sie sie denkt „Ohhhh meeeeiiin Gott, wie peinlich!“. Sie ist eine von jenen Katzen, die längst schon den Beweis für das Higgs-Teilchen erbracht haben und uns nur aus einem Grund daran nicht teilhaben lässt: Weil wir zu dumm sind Ihre Sprache zu verstehen.

Wie gesagt, die Welt hat selten ein unterschiedlicheres Geschwisterpaar gesehen. Doch eines haben sie gemeinsam. Sie sind die beiden gutmütigsten, zutaulichsten, verschmusten und anhänglichsten Katzen die es jemals gegeben hat. Sie hatten es wirklich nicht immer leicht mit mir und meinem Sohn und sie haben alles über sich ergehen lassen, ohne Pfauchen, ohne Kratzen, ohne Murren. Sie waren immer für mich da. Ich werde den klatschnassen Kopf meines wasserscheuen Katers nie vergessen, der einen Surzbach von Rotz und Wasser über sich ergehen ließ kurz nach meiner Big-Boom-Bang Trennung, als ich ihm schluchzend die Furchtbarkeiten meines Lebens erzählte . Geduldig saß er auf meinem Schoß, schaue mir ins Gesicht und schien zu sagen: „Aber ICH liebe Dich!“ Sie saß zum gleichen Zeitpunkt auf der Sofalehne hinter mir und putze schnurrend meinen Hinterkopf.

Es sind diese Momente, für die ich Ihnen alles, wirklich alles verzeihe. Den 128ten ausgeräumten Mistkübel (ich habe übrigens einen Treteimer. Ich weiß bis heute nicht, wie sie es machen, aber einer muss dabei auf das Pedal steigen, der andere drückt den Deckel auf, oder so…), die paar Kratzer am Sofa, sauberes Katzenstreu und Katzenfutter mühsam in die Wohnung hinauf- und den entstandenen Kisterlinhalt dann wieder runterschleppen. Ich verzeihe ihnen auch und vor allem ihre Haare. Weiße Katzenhaare an der Kleidung einer Frau, die seit früher Jugend beinahe ausschließlich schwarz trägt sind wie Pest, Cholera und Syphilis in Personalunion. Egal. Ich liebe die Beiden.

Für die Beiden steht nun der 5te Umzug ihres Lebens an. Katzen sind ja nicht bekannt dafür ungeheuer entspannt auf das Thema Ortswechsel zu reagieren. Völlige Fassungslosigkeit trifft es eher. Denn schließlich nehme ich hnen IHRE Wohnung weg. Let’s face it, beide sind nämlich, trotz aller vorher genannten -und eher Hunden zuzuordnenden- Charaktereigenschaften, Katze genug um sich einer Tatsache völlig gewiss zu sein: Es ist IHRE Wohnung. Hier kennen sie jede Ecke, jedes Versteck, jede Schachtel, jeden Winkel. Alleine die Fahrt im Katzenkontainer wird zur Tortur (kann mir das mal bitte wer erklären? Die Viecher quetschen sich freiwillig in jede noch so kleine Kiste, aber ein Kontainer, der vermutlich für 4 ausgewachsene Waschbären noch als Palazzo gelten würde, ist ihr erklärter Todfeind?). Und dann werden auch sie sich an eine neue Umgebung gewöhnen müssen.

Jetzt mal ehrlich, man stelle sich vor den antiken Göttern hätte jemand gesagt der Olymp sei jetzt leider passé, sie müssten leider umziehen. Na das hätte ein Theater gegeben, Donner, Wetter, Blitz! Ich bin ehrlich froh, daß die beiden Kleinen nicht über das Waffenarsenal von Zeus und co. verfügen, denn ich glaube, bei aller Gutmütigkeit, gegen den Sturz aus dem Olymp würden sie sich mit aller Gewalt wehren. Nur ersparen kann ich es Ihnen trotzdem nicht. Letztlich wird es auch gut für sie sein, den momentan sind sie durch mein Pendeln zwischen zwei Haushalten echt arg viel allein. Also werden wir da gemeinsam durch müssen, durch das Chaos aus Bachblüten, Katzentransporter, miauten Hilferufen, subtilen Racheakten und vor lauter Panik verstreuten Haarbüscheln.

Irgendwann werden Sie es genießen kaum mehr alleine zu sein, werden die neuen tiefen Fensterbänke mit Aussicht zu schätzen wissen, werden ihre Winkel, Ecken und Wege wieder festgelegt haben und alles wird gut sein. Bis dahin: Haltet die Schnurrhaare steif, meine Süßen. Denn auch wenn’s manchmal nicht so wirkt: Ihr SEID meine kleinen Gottheiten!

Reviere markieren

Es gab eine Zeit, da war alles einfacher. Nicht leichter, aber einfacher. Höhlenmensch sieht Höhle, Höhlenmensch will Höhle, Höhlenmensch sch… in die Ecke der Höhle und markiert sie damit als die Seine. Ergebnis: Höhlenmensch hat Höhle. In der Folge organisiert er sich noch ein Weibchen, schleppt es am Haarschopf in sein neues Reich und fertig ist der Start ins neue Leben. Die Diskussionen zum Thema Einrichtung sind vermutlich eher enden wollend, und auch die Rangordnung in- und außerhalb des Familienkonstrukts ist eher fix vorgegeben. Wer mehr Muskeln hat, gewinnt, das gilt auch wenn einem Jemand die Behausung streitig machen will.

Und so schaut‘s heute aus. Behausungen müssen immer noch gefunden werden, aber es reicht (leider oder Gott sei Dank) nicht, seinen Besitzanspruch nach Art der Vorfahren zu bekunden. Sicherheiten müssen geboten, Anbote gelegt & Verträge entworfen werden, 1.000 Unterschriften und viel Geld später darf man die Höhle dann sein eigen (wenn auch nur zur Miete) nennen. Das alles ist unendlich komplizierter als Uropas Methode und irgendwie auch… ja, unsexy.  Alles spielt sich im Hirn ab, auf Papier, es ist gänzlich unsinnlich, und in Wahrheit, so denke ich fehlt uns auch etwas. Ein kleiner Teil von uns WILL nämlich um sein Revier kämpfen, will außer Atem, verschwitzt und zerschunden nach einem Revierkampf mit einem Rivalen niedersinken und sich denken: „yeeeeaaahhh, dem hab‘ ich’s gezeigt“. Das klingt ein bissi testosteronschwanger, ist es aber nicht, denn Frauen -zumindest ich- sind ganz genauso.

Jetzt fehlt uns aber der Angriff von außen. Da kommt Keiner, der uns die Höhle streitig macht, zumindest nicht in einem territorialen Sinn. Fad. Aber die Energie ist da, will raus, will verwendet werden. Weswegen wir innerhalb der eigenen Behausung mit dem Partner als Gegner unser Revier abzustecken beginnen.
Aber wir sind ja zivilisiert. Wir pinkeln nicht mehr an Bäume und schnuppern nicht mehr am Hinterteil Anderer. Zumindest nicht mehr um unser Revier zu markieren, um auf diverse Fetisch-Spielerein einzugehen ist hier weder Zeit noch Ort. Trotzdem haben wir Mittel und Wege gefunden, um nicht mehr in die Ecke der Höhle sch… zu müssen um anzuzeigen „hier herrsche ich!“.
Gewonnen hat, wer „seinen“ Blumentopf richtig platziert hat, „sein“ Geschirr als das Gemeinsame durchgesetzt hat. Da entbrennen Konflikte um Nebensächlichkeiten, die bar jeder Logik geführt werden. Ich spreche hier aus Erfahrung.

Noch heute steigen mir –schön wienerisch formuliert- die Grausbirnen auf angesichts meines eigenen Vorschlags vor knapp 1,5 Jahrzehnten, der damalige „er“ möge doch wirklich, also ganz im Ernst, seine sauteuren geliebten Magnat-Boxen unterm Sofa unterbringen. In dem Moment war mir die Richtigkeit und Sinnhaftigkeit dieser Aussage völlig evident. Hallo? Die Dinger waren riesig, ergreifend hässlich und hätten sinnvoller Weise genau dort stehen sollen, wo idealerweise auch meine Bodenvase & mein geliebter, riesiger Benjamin stehen hätten sollen. Also: weg damit, ab unters Sofa. Bruchteile von Sekunden explodierte in mir die Erkenntnis der völligen Schwachsinnigkeit meines Vorhabens. Boxen unterm Sofa, das hat in etwa die Sinnhaftigkeit des legendären Kühlschranks in der Arktis. Klangqualität kleiner gleich Null, und das mir als Musik- und Klangfreak. Aaaaber egal. Zähne fletschen und durch, Stirn bieten, wenn ich jetzt zurück weiche, verliere ich nicht nur die Schlacht sondern den ganzen Krieg. No Prisoners! Mein Baum, meine Höhle. Jeder Einrichtungsgegenstand ein symbolisches stinkendes Hauferl in der Höhlenecke.

Nun, die Boxendebatte dürfte diesmal wohl nicht aufkommen. Boxen müssen nicht mehr riesig und hässlich sein um gut zu klingen. Dieses Problem ist gelöst. Aber ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sich auch diesmal die Eine oder Andere Revierstreitigkeit nicht umgehen lassen wird. Wir werden Diskussionen führen, mit viel Energie und zunehmender Zornesröte auf den Wangen nur um uns Momente später selbst insgeheim (!) die Frage zu stellen „Bitte, das kann ja wohl nicht dein Ernst sein. Wie schwachsinnig ist das denn?“. Kriegsführung für Fortgeschrittene, jeder weiß wie völlig blödsinnig sein Vorhaben ist, aber nachgeben… schwierig. Jetzt weiß ich wenigstens ich wie’s zum kalten Krieg kam, der Höhlenmensch in uns verlangt nach Ersatzbeschäftigung.

Tage, Wochen, Monate später werden wir dann sehen wer der wirkliche Sieger ist, wer in der hohen Schule der Reviermarkierung erfolgreicher war, gegen die strategisch wichtigeren Bäume gepinkelt hat.

Mein Tipp: 1:1 … für Kind und Katze. Wir sind raus aus dem Rennen.

Das Motel

Während ich gerade in meiner -alten- Küche sitze fällt mir, wenn ich mich wirklich anstrenge -also so richtig wirklich mit Anlauf, korrektem Absprung und perfekter Haltung in der Flugphase- eines auf. Es schaut aus wie Sau.
Chaos ist nicht mehr backbord voraus, das Navi spricht nicht mehr „in 50 metern rechts abbiegen…“ sondern: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“. Nur, daß es noch gar nicht das eigentliche Umzugschaos ist, sondern ein Phänomen das ich noch bei jedem Wohnortwechsel an mir beobachten konnte (mit Anlauf, Absprung… eh scho wissen). Sobald ich einen neuen Vertrag unterschrieben habe fühlt sich keine Faser meines Körpers mehr für die alte Behausung verantwortlich und das Chaos hält fröhlich Einzug.

Zu Hause ist nicht mehr  „Zu Hause“, es ist eine Übergangslösung, vom Gefühl her ähnlich einem Motel, mitten im nirgendwo nach einer endlosen Autofahrt in einem viel zu weich gefederten Pontiac Trans Am. Eigentlich will man ja ganz wo anders hin, aber der Körper verlangt nach einer Pause und man ist irgendwie dankbar für den Zwischenstop. Aber viel mehr als raus aus dem Gwand, unter die Dusche und ab ins Bett will man dort wirklich nicht machen. Und eines ganz sicher nicht: Aufräumen. Dafür gibts Personal.

Nun ist das ja ganz generell so ein Thema.
Mein Gencode ist auf folgendes ausgerichtet: 128 Zimmer & ausreichend Personal. Also ein Minimum von 1 Koch, 2 Stubenmädchen und 1 Gärtner, wobei ich eventuell sogar gewillt wäre ab und an selber zu kochen, das tu‘ ich nämlich ganz gerne. Optional dazu gemietetes Personal wie der attraktive Poolboy oder auch die -damit auch der Holde optisch (!) auf seine Kosten kommt- gut gebaute Babysitterin versteht sich von selber.
Nicht ausgelegt ist mein Gencode allerdings auf: Putzen (öd), Wäsche waschen (nicht so schlimm), bügeln (die Hölle) und ähnlich zeitraubende und völlig lustbefreite Beschäftigungen.
Meine Geldbörse, die alte Spielverderberin,  ist hingegen definitiv nicht auf die Personal und Pipapo-Variante ausgelegt, leider. Es gibt also eine gewisse Diskrepanz zwischen dem was sich die Prinzessin so wünschen würde und der schnöden Realität. Also putze ich. Begeisterungsbefreit, aber doch, denn schließlich will ich ja nicht im Dreck versinken, schon gar nicht mit Kind an der Hand.

Aber jetzt ist eben der Punkt erreicht, an dem sich das „Motel-feeling“ eingestellt hat. Raus aus den Boots, Tiefkühlpizza & Bud light. Als Nachspeise Oreos, in Milch getaucht selbstverständlich. Ein wenig Channel-zapping und ab ins Bett. Putzen steht definitiv nicht auf der to-do Liste, wozu auch. Und gleich in der Früh am nächsten Tag geht die Fahrt weiter, das Ziel will schließlich erreicht werden. So geht’s, so wäre der Plan. Aaaaber…., leider.

Aufruf: Geneigte, mitleidige Spender zur Finanzierung einer Übergangsputzfrau für das Motel gesucht. Dringend! Sobald ich dann umgezogen bin putze ich dann wieder selber, versprochen (mit überkreuzten Fingern, aber was kann ich dafür, daß die so schief gewachsen sind)!