Zurückgelassen am Wegesrand

Schulschluss und Ferienbeginn. Rein sachlich gesehen derzeit noch eine unkomplizierte Angelegenheit. Der Kronprinz hat das 3te Schuljahr mit lauter Einsern solide hinter sich gebracht, und ich vermute mal es wird eine Zeit geben, in der ich mich nostalgisch an diese ungetrübten Momente erinnere, in denen ein endloser Sommer begann, ohne dass eine dunkle Schulnoten-/Nachprüfungswolke den Familienhimmel trübte. Denn so g‘scheit das Rind ist, es ist auch stur wie ein Ochs und faul wie eine Kuh auf der Sommeralm. Aber wie sagt der Brite so schön: Let’s cross that bridge when we come to it!” Wobei besagte Nation gerade eine Brücke überquert hat von der sie anscheinend weder genau wissen wie sie zu ihr kamen, noch wie die Überquerung überhaupt stattfinden konnte und schon gar nicht was zur Hölle sie jetzt auf der anderen Seite des Flusses tun sollen. Aber das ist ein anderes Thema.

Das Ende eines Schuljahres ist neben dem Geburtstag immer der Zeitpunkt an dem ich hauptberuflich zwei Dinge tue. Erstens darüber lamentieren, wie schnell der Kleine groß wird und mich zweitens alt fühlen. Gut die Sache mit dem alt fühlen passiert mir generell immer häufiger, was eventuell an der Tatsache liegt, dass ich schon länger 27 bin als als ich Finger an beiden Händen habe. Aber nur eventuell…. ‚
Sowieso wichtiger und viel schwieriger ist die Sache mit dem gefühlt in Warp-Geschwindigkeit erwachsen werdenden Sohn und meiner Emotionalität als überfordert zurückgelassene Mutter. „Pipifax!“ werden nun Eltern bereits erwachsener Kinder sagen, wart‘ bis er 15,16 ist, dann wird’s erst wirklich resch. Das mag stimmen, ist aber derzeit ebenso hilfreich wie weiland Großmutters Hinweis, ich möge nicht motschgern, dass das Essen nicht schmeckt, weil anderswo hättens‘ gar nix. Schon damals habe ich mit dem tiefen und aufrichtigen Mitgefühl einer 7-jährigen vorgeschlagen, sofort gemeinsam zur Post zu gehen und den armen Menschen das Beuschel zu schicken, aber selber essen wollte ich es trotzdem nicht. So geht es mir heute auch mit Hinweisen der Güteklasse: Entspann Dich, es wird noch viel schlimmer!

Ich finde es heute schon schlimm genug zuzusehen, wie sich mein Sohn einen Schritt nach dem anderen aus meinem Gluckenkreis entfernt. Versteht mich nicht falsch. Wir haben ihn immer zur Selbstständigkeit erzogen und ich bin definitiv keine Helikopter-Mutter. Aber das Momentum ist ein anders ob du das Kind immer wieder zärtlich in Richtung Eigenständigkeit schubst oder ob es aus eigenem Antrieb dorthin rennt. Richtung und Ziel sind die gleichen. Im ersteren Falle kommt dir als Elternteil eine aktive Rolle zu, in zweiterem bist du nur Beobachter.

Mal ganz abgesehen davon, dass passive Lebensrollen definitiv nicht meinem Naturell entsprechen und mir auch nie Glück gebracht haben, habe ich als reiner Beobachter einfach zu viel Zeit zum Nachdenken: Wie viele Male wird er noch danach verlangen, dass ich ihm am Abend sein Lied vorsinge? War heute vielleicht schon das letzte Mal, dass ich ihn in der Öffentlichkeit umarmen durfte? Wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem ich ihm endgültig nicht mehr auf der Straße die Hand geben darf, und wann der Zeitpunkt an dem wir das alles endgültig zurückgelassen haben und mir ein junger Erwachsener die erste (und zu diesem Zeitpunkt sicherlich einzige und ewige) Liebe seines Lebens vorstellt?
Ja ich weiß, ich übertreibe und nehme zu viele Stufen auf einmal. Und ja, möglicherweise werde ich in einigen Jahren mit mehreren Gläsern Champagner (heimlich, selbstverständlich) und meinem Mann seinen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung und die dadurch neu erlangte Freiheit feiern. Aber bis dahin werde ich Jahr für Jahr auf’s Neue am Sommeranfang das Gefühl haben alleine am Wegesrand zurückgelassen zu werden…

PS: Heute war Abfahrt zum Pfadfinderlager. Dieses Foto war das einzige, dass ich machen konnte und durfte. Und zeigt recht deutlich wieviel Zeit er für eine zärtliche, emotionale und vielleicht sogar tränenreiche Abfahrt hatte. Gar keine nämlich. Jajajaja, ich weiß, besser so als anders. Und trotzdem….Siehe Oma & Beuschel!
Anhang 1

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2 Gedanken zu “Zurückgelassen am Wegesrand

  1. micha

    Eines laß dir von einem Sohn gesagt sein: Du wirst immer die einzige große Liebe seines Lebens sein, auch wenn er das bis ins hohe Alter (also 20-25 ;-)) nicht erkennen wird … und das mit den ausdauernden und tränenreichen Abschieden kommt wieder … ob du’s willst oder nicht 😉

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