Pssssstttt… leeeiiise! Hier wird geschlafen.

Mein Blog schläft. Zzzzzzzz…
Lasst Ihn schlafen! Ich beneide Ihn.
Schlaf ist ein wertvolles Gut, das man wie so viele andere erst dann zu schätzen weiß wenn man es nicht (mehr) hat. Es gibt Tage, da frage ich mich, wie das wohl wäre, wiedermal so ganz, voll und richtig ausgeschlafen zu sein. Ein Tag als Vollzeitmutter, Vollzeitpartnerin, Teilzeitangestellte und auch sonst nicht unbeschäftigte Frau lässt schon rein rechnerisch – will frau nicht gänzlich aufs Privatleben verzichten- viel zu wenig Zeit für Schlaf übrig.

Unlängst diskutierte ich mit einer Freundin die Anzeichen des heraufdräuenden Alters. Neben den üblichen Verdächtigen wie Krähenfüßen, Stirnfalten, aufkeimender Orangenhaut und dem ein oder anderen Kilo zu viel wird folgendes immer wieder genannt: „Ich halte Nix mehr aus!“.

Hierzu von mit ein entschiedenes NEIN. Werft mir Realitätsverweigerung vor, knallbunten Zweckoptimismus, was auch immer, aber nein. Das stimmt nicht, zumindest bei mir. Ja, wenn ich mal wieder einen Abend lang g‘scheit über die Stränge schlage leide ich nachher drei Tage wie ein Hund im Regen, bzw. wie der Besitzer eines wasserscheuen Hundes, der im strömenden Regen steht, während sich das Mistviech unter der Parkbank schön im Trockenen versteckt. Als ehemalige Dackelbesitzerin weiß ich wovon ich spreche, schallendes Gelächter der nebenan stehenden Taxler inklusive. Trotzdem, es ist nicht der Abend, der mich umbringt.

Es ist mein Verhalten am Folgetag. In meinen 20ern ging ich weg, verdunkelte beim Heimkommen die Wohnung, stand irgendwann am frühen Nachmittag auf um Nahrung und Flüssigkeit zu- und ab zu führen, ging wieder schlafen und war am nächsten Morgen dementsprechend ausgeschlafen und fit wie ein Turnschuh. Kunststück. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 22,785 Stunden Schlaf hinter mir! Und genau diese 22,785 Stunden fehlen mir heute. Weil sie es mir nicht wert sind, ich die Ruhe nicht mehr habe, einen Tag derart ereignis- und tatenlos an mir vorbei ziehen zu lassen. Spätestens um 11h00, egal wie lang die Nacht war, habe ich das Gefühl uuuuuunglaublich viel zu versäumen, wenn ich jetzt nicht in der Sekunde aus den Federn hüpfe. Was in Realita das völlige Gegenteil von Altersweisheit ist. Denn wahr ist: von hüpfen keine Spur. Es ist mehr ein schleppen, stolpern und schlurfen, eine energetische Nullrunde, von der eh keiner was hat, ich am allerwenigsten. Allein der Schreckmoment im Badzimmer angesichts der lebenden Leiche im Spiegel (gemeinerweise sowohl als Portrait als auch als Ganzkörperbild unausweichlich) ist dazu angetan mir nachhaltig den Tag zu verderben. Drei bis vier Kaffee später ist die Welt immer noch nicht bunter, mein Teint immer noch fahl und der Tag immer noch fad. Aber nochmal ins Bett? Neeeeiiin, ich könnte ja soooo viel versäumen. Was genau? Keine Ahnung. Eine spannende Partie Zecherldomino eventuell. Oder thrill and kill beim Staubfutzerlwettzählen.

Ich halte also fest: Ich würde noch genauso viel aushalten wie früher. Zweifelsohne. Das Problem ist halt nur, dass ich mir die notwendige Erholungszeit nicht mehr gönne. DAS, Herrschaften ist nämlich das eigentliche Zeichen des Alterns. Nicht die Falten, für die gibt’s Cremes, Botox oder Skalpelle. Nicht die Kilos, denen kann man mit Sport und co. den Gar ausmachen. Es ist das deppate Verschieben von Prioritäten. Ja, ok, einige dieser Verschiebungen sind gut, notwendig, weise und sehr sinnvoll. Aber manche machen uns das Leben unnötig schwer. Ich werde also in Hinkunft versuchen mich geistig wieder zu verjüngen. 29F, olé, auf 35 wird gesch….! Und auch mal wieder einen Tag völlig an mir vorbei ziehen lassen, Fünfe mal wieder grade sein zu lassen und einfach mal…
 Schlafen. Denn, ganz ehrlich, auf der Top-10 Liste der angenehmsten Beschäftigungen des Lebens hat Schlaf einen Fixplatz unter den ersten Dreien. Mindestens.

Und unter Umständen gäbe es, wenn dieses Etappenziel erreicht ist, auch noch ein Paar Andere lebenserschwerende Proritätenverschiebungen die es wert wären überdacht zu werden. Schau‘ ma mal dann sehn‘ ma scho…

Mist, jetzt hab‘ ich’s doch getan. Der Blog ist aufgewacht. Dabei hab ich doch versucht ganz leise zu sein um ihn ja nicht in seiner Ruhe zu stören. Naja, jetzt is er schon mal munter, dann schau ich halt, dass er nicht wieder einschläft…

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