Eine Ode an die Katzen

In ancient times cats were worshipped as gods. They have not forgotten this.
(Terry Pratchett)

Hätten mir Pratchett’s Scheibenwelten nicht schon vor Jahrzehnten heitere Stunden beschert, spätestens für diesen Satz würde ich ihn lieben. Ich unterstelle jetzt kurzerhand eines: Er hat Katzen und liebt Sie, ansonsten käme ihm dieser goldrichtige Satz nicht in den Sinn.

Ich habe eine Katzenprinzessin göttlicher Herkunft und einen Katzentölpel simpelster Abstammung. Wer die Beiden kennt, weiß: unterschiedlicher kann ein Geschwisterpaar kaum sein. Als die Gehirnzellen im Mutterleib verteilt wurden rief sie laut, deulich und unüberhörbar „hier“. Er… schlief. Bei der Muskelmassenaufteilung, Gutmütigkeit und Herzensgröße wachte er kurz auf, bekam seinen Teil und schaltete sein -bescheidenes- Hirn gleich darauf wieder in den Normalzustand, den der freizeitorientierten Schonhaltung nämlich. Womit auch die Themenbereiche Eleganz, Grazie, Geschick und Taktik spurlos an ihm vorbei gingen.

Mein Kater gehört zu jenen Exemplaren, die sich an altersschwache Vögel anschleichen, eher mäßig getarnt mit leuchtend rot/weißen Fell in der  2 cm kurz gemähten Wiese, sich hinter einer einzelnen Tulpe verstecken (mein Ernst!), mit dem Hintern wackeln, den Vogel mit einem -naja, vielleicht zwei oder drei- geschmeidigen Satz angreifen und sich dann wundern warum das Beutetier nicht mehr da ist. Dieses hatte nämlich ausreichend Zeit aus dem Mittagsschläfchen aufzuwachen, die dritten Zähne in den Schnabel zu tun, sich ächzend aufzurichten, einen Kaffee zu trinken, dem Kater den -sprichwörtlichen- Vogel zu zeigen und mit quietschenden Rollatorrädern sehr gemächlich davon zu schlendern. Mein Kater ist einer von jenem, denen in ihrer göttlich-kätzischen Eleganz das Talent gegeben ist mit einem einzigen Schwung ihres Schwanzes 250g zum Backen vorbereitetes Mehl aus einer Schüssel heraus und quer durch die ganze Küche zu befördern (erst heute geschehen).

Meine Katze ist angesichts des Verhaltens ihres Bruders hauptberuflich mit einem beschäftigt: Sie geniert sich. Ihren Augen kann man es förmlich ansehen wenn sie sie denkt „Ohhhh meeeeiiin Gott, wie peinlich!“. Sie ist eine von jenen Katzen, die längst schon den Beweis für das Higgs-Teilchen erbracht haben und uns nur aus einem Grund daran nicht teilhaben lässt: Weil wir zu dumm sind Ihre Sprache zu verstehen.

Wie gesagt, die Welt hat selten ein unterschiedlicheres Geschwisterpaar gesehen. Doch eines haben sie gemeinsam. Sie sind die beiden gutmütigsten, zutaulichsten, verschmusten und anhänglichsten Katzen die es jemals gegeben hat. Sie hatten es wirklich nicht immer leicht mit mir und meinem Sohn und sie haben alles über sich ergehen lassen, ohne Pfauchen, ohne Kratzen, ohne Murren. Sie waren immer für mich da. Ich werde den klatschnassen Kopf meines wasserscheuen Katers nie vergessen, der einen Surzbach von Rotz und Wasser über sich ergehen ließ kurz nach meiner Big-Boom-Bang Trennung, als ich ihm schluchzend die Furchtbarkeiten meines Lebens erzählte . Geduldig saß er auf meinem Schoß, schaue mir ins Gesicht und schien zu sagen: „Aber ICH liebe Dich!“ Sie saß zum gleichen Zeitpunkt auf der Sofalehne hinter mir und putze schnurrend meinen Hinterkopf.

Es sind diese Momente, für die ich Ihnen alles, wirklich alles verzeihe. Den 128ten ausgeräumten Mistkübel (ich habe übrigens einen Treteimer. Ich weiß bis heute nicht, wie sie es machen, aber einer muss dabei auf das Pedal steigen, der andere drückt den Deckel auf, oder so…), die paar Kratzer am Sofa, sauberes Katzenstreu und Katzenfutter mühsam in die Wohnung hinauf- und den entstandenen Kisterlinhalt dann wieder runterschleppen. Ich verzeihe ihnen auch und vor allem ihre Haare. Weiße Katzenhaare an der Kleidung einer Frau, die seit früher Jugend beinahe ausschließlich schwarz trägt sind wie Pest, Cholera und Syphilis in Personalunion. Egal. Ich liebe die Beiden.

Für die Beiden steht nun der 5te Umzug ihres Lebens an. Katzen sind ja nicht bekannt dafür ungeheuer entspannt auf das Thema Ortswechsel zu reagieren. Völlige Fassungslosigkeit trifft es eher. Denn schließlich nehme ich hnen IHRE Wohnung weg. Let’s face it, beide sind nämlich, trotz aller vorher genannten -und eher Hunden zuzuordnenden- Charaktereigenschaften, Katze genug um sich einer Tatsache völlig gewiss zu sein: Es ist IHRE Wohnung. Hier kennen sie jede Ecke, jedes Versteck, jede Schachtel, jeden Winkel. Alleine die Fahrt im Katzenkontainer wird zur Tortur (kann mir das mal bitte wer erklären? Die Viecher quetschen sich freiwillig in jede noch so kleine Kiste, aber ein Kontainer, der vermutlich für 4 ausgewachsene Waschbären noch als Palazzo gelten würde, ist ihr erklärter Todfeind?). Und dann werden auch sie sich an eine neue Umgebung gewöhnen müssen.

Jetzt mal ehrlich, man stelle sich vor den antiken Göttern hätte jemand gesagt der Olymp sei jetzt leider passé, sie müssten leider umziehen. Na das hätte ein Theater gegeben, Donner, Wetter, Blitz! Ich bin ehrlich froh, daß die beiden Kleinen nicht über das Waffenarsenal von Zeus und co. verfügen, denn ich glaube, bei aller Gutmütigkeit, gegen den Sturz aus dem Olymp würden sie sich mit aller Gewalt wehren. Nur ersparen kann ich es Ihnen trotzdem nicht. Letztlich wird es auch gut für sie sein, den momentan sind sie durch mein Pendeln zwischen zwei Haushalten echt arg viel allein. Also werden wir da gemeinsam durch müssen, durch das Chaos aus Bachblüten, Katzentransporter, miauten Hilferufen, subtilen Racheakten und vor lauter Panik verstreuten Haarbüscheln.

Irgendwann werden Sie es genießen kaum mehr alleine zu sein, werden die neuen tiefen Fensterbänke mit Aussicht zu schätzen wissen, werden ihre Winkel, Ecken und Wege wieder festgelegt haben und alles wird gut sein. Bis dahin: Haltet die Schnurrhaare steif, meine Süßen. Denn auch wenn’s manchmal nicht so wirkt: Ihr SEID meine kleinen Gottheiten!

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