Das Expedit

Das Expedit. Es hat Potential. Zum Sargnagel. Definitiv. Potential irgendwann im Grant von mir zusammengedroschen und beim Fenster hinaus geworfen zu werden. Wir sprechen von einem uralten Teil in wenig dekorativen dunkel-buchen-gagerl-braun, mehrmals zerlegt, geleimt, mit Gewalt wieder auseinandergestemmt (Alle Achtung, so ein bissi Holzleim ist wirklich was für die Ewigkeit), neu gebohrt und wieder zusammengebaut. Kurz, ein altersschwaches Ding. Und doch tut es noch seinen Zweck und ist als Kellerregal oder auch als Stauraum schaffende Übergangslösung für’s Schlafzimmer durchaus noch eine Option.
Wieso Sargnagel? Weil ich nicht glaube, daß es nochmal eine Runde Auseinanderstemmen und neu aufbauen überlebt, zumal mich sein Tod nur mäßig traurig machen würde. Und ich gleichzeitig der Meinung bin, daß es aufgrund der baulich gegebenen, ungeheuer gemein angelegten Küchentür/Vorzimmer/Ausgangstür-Schikane nicht als Ganzes transportiert werden kann. Also ich glaube nicht nur, ich bin mir sicher!

Sicher ist sich aber auch mein bester aller Männer. Sicher nämlich, daß das Expedit doch Ralleyfahrer-Qualitäten hat, und die besagte Schikane im null-komma-gar-nix nehmen wird, unter seiner wohlwollenden Anleitung, selbstverfreilich. Die Diskussionen zu diesem Thema sind ebenso endlos wie ihr Sinn endenwollend. Denn in Einem geb ich ihm ja Recht, dem Besten Aller: Der Zugang „Schau ma halt, dann seh ma’s schon“ ist so falsch nicht. Wenn’s nicht durchpasst, und sich nicht mehr schadenfrei abbauen lässt, können wir ja immernoch ein Neues kaufen. Die Geldbörse nickt auch zustimmend angesichts dieser stringenten Logik, nur mein Ego schreit. Laut. „MEIN Augenmaß ist unfehlbar!“ brüllt es…  Nicht sehr erwachsen, aber das ist so ein ausgewachsenes Egomonster ja eher selten.

À propos Expedit. IKEA.

Als zumindest sporadische Leserin diverser Klatschmagazine der (un)Güteklasse Woman, Cosmopolitan und co. weiß ich Eines. Es gibt zwei todsichere Arten im Blitztempo herauszufinden, ob der aktuelle Partner für die Zukunft denn auch wirklich Zukunft hat, oder vielmehr ein Fall für die Vergangenheit ist.

1.) Ein gemeinsamer Urlaub.
Der offenbart so Allerlei. Die erste Nagelprobe in Bezug auf gemeinsame Tagesabläufe, Vorlieben, Abneigungen und Sanitärbedürfnisse. Den haben wir hinter uns. Er war kurz, aber wunderbar. Nur ein Wort… Venedig!

2.) Ein Besuch bei Ikea.
Aufmerksam gemacht durch die diversen Kolumnen, hab ich mir das bunte Treiben die letzten Male genauer angeschaut, mehr Zeit mit der Beobachtung der Anderen Einkäufer als mit der Betrachtung des sowieso unüberschaubaren Angebots verbracht. Und war wirklich erstaunt. Ganz im Ernst, es scheint tatsächlich als gäbe es eine statistisch durchaus relevante Anzahl an Paaren, die wirklich erst IM Möbelhaus feststellen, daß ihre Geschmäcker bezüglich Einrichtung weitgehendst bis völlig inkompartibel sind. Rosa Plüschprinzessin meets Minimalistenprinz. Rustikaler Landjunge vs. Art Deco Affictionada. Gespräche die mit „Nur über meine tote, blutige Leiche“ beginnen und noch unfreundlicher enden.

Ich lausche, staune und frage mich: Was zur Hölle habt Ihr bis jetzt getan? Also bei allem Verständnis, daß der Horizont in den ersten Monaten einer Beziehung nicht viel weiter gesteckt ist als von Kopf- bis zum  Fußende des jeweiligen Bettes, aber irgendwann isst man doch zumindest ein Kleinigkeit gemeinsam. Benützt das Badezimmer. Sieht sich einen Film an ( und sei’s auch nur ein einschlägiger). Lauter Gelegenheiten, zu denen man nicht umhin kann, zumindest Teile der fremden Wohnwelt wahr zu nehmen. Die unwahrscheinlichen Fälle, der/die Angebetete wohnt auf Wayne-Manor auf 128 Zimmern, oder ausschließlich in Zimmer 128 des Hotel Orient, mal ausgenommen. Da muss einem doch dämmern, daß es hier eventuell unüberbrückbare Differenzen gibt, oder?

Jedenfalls war es bei uns letzte Woche auch so weit. Donnerstag Abends bei Ikea. Und wir haben bestanden. Gut, es war nur ein Testlauf, ein Sondieren, denn noch hatten wir ja den Vertrag nicht unterschrieben. Und außer einer mechanisch angetriebenen Taschenlampe (kennt das noch wer? Stromausfall und was ist garaniert nicht bei der Hand? Eine Tschenlampe MIT funktionierenden Batterien! Die Lösung ist ergreifend häßlich, knallrot und mittels einer kleinen Kurbel betrieben) und -mittlerweile- gefühlten 10.728 ganz und gar leeren Kalorien aus dem Schwedenshop ging -fast- nichts mit.

Diese Woche wird’s dann ernst, der eigentliche Möbeleinkauf steht an. Wobei UNSER Wohnstil ist -schon laaaaange- geklärt. (Hallo? Ich bin gewarnt, Cosmopolitan sei Dank!!!) Minimalistisch asiatisch mit diversen bunten und  teils selbstgemachten Stilbrüchen. Es sollte also zu keinen „you gotta be freakin‘ kiddin‘ me“-Ausbrüchen kommen. Und da die Konten derzeit gar leer geräumt sind sollte aus der Shortlist auch diesmal keine Longlist werden. Aber vielleicht kommt es ja doch noch, das dicke Ende, und wir stehen uns gegenüber, mitten im Ikea wie Torera und Stier und geben ein Schauspiel ab angesichts dessen sich jemand Anderes fragt: „Wieso zur Hölle kommen die erst jetzt drauf?“…

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